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Angelika Matthias

Themen aus meinen Erfahrungen und relevanter Literatur. Ich hoffe Sie finden es Nützlich.

Wie gehe ich konstruktiv mit lästigen Gedanken und Gefühlen um

Wie gehe ich konstruktiv mit lästigen Gedanken und Gefühlen um

Wann hast du das letzte Mal Gefühle wahrgenommen, die du lieber nicht fühlen würdest? Vielleicht kannst du diese Frage nur schwer beantworten, da du gar nicht so viele intensive Gefühle fühlst…

Bei mir kann das fast täglich passieren. Beispielsweise, wenn ich derzeit die Nachrichten lese/ höre oder in meinem Job, wenn ich unangenehme Aufgaben hinausschiebe. In zwischenmenschlichen Kontakten, die vielleicht nicht so einfach sind, vor einer Präsentation. Überall begegne ich Gefühlen wie Sorge, Nervosität, Furcht, Scham, Reue, Unsicherheit und manchmal einen ganzen Cocktail davon. Am liebsten möchte ich davor wegrennen, doch das funktioniert meistens nicht. Nicht nur nicht bei mir, auch die Forschung zeigt, dass wenn wir einen Schmerz nicht fühlen wollen, er dann noch größer wird. Gerade emotionale „Schmerzen“ – Unwohlsein. Denn unser Gehirn kreist dann erst recht um das Problem oder Gefühl. Wenn wir uns nicht unsicher fühlen wollen, kreisen unserer Gedanken die ganze Zeit um die Analyse, warum wir uns denn gerade jetzt so unsicher fühlen, wir machen uns vielleicht Selbstvorwürfe und sind vielleicht auch streng mit uns selbst. Das Gefühl nimmt dann immer mehr Raum ein. Ein bisschen so, als wenn wir uns sagen, wir dürfen die Schokotorte im Kühlschrank nicht essen, dann wird sie in unseren Gedanken immer leckerer und größer und wir könne kaum der Versuchung wieder stehen sie zu essen. Schon Adam und Eva konnten der Versuchung von „diesem“ einen Apfelbaum nicht zu essen, nicht widerstehen.

Und natürlich ist es auch ein guter und wertvoller Überlebensinstinkt, wenn wir Dinge für eine bestimmte Zeit vermeiden können. Feuerwehrleute, Ärzte und alle Berufe, die mit Gefahren arbeiten brauchen eine Strategie, um sich zu fokussieren und die Angst zur Seite zu schieben oder nicht zu spüren.

Tiere machen dies, indem Sie der Gefahr aus dem Weg gehen. Sie meiden ihre Fressfeinde, oder andere Gefahren. Nur ist es ein Unterschied, ob ich eine reale Gefahr meide, wie giftige Pilze essen, oder Gedanken und Gefühle in meinem Kopf/Körper unterdrücken möchte. Letztere sind viel schlechter greifbar. Es kann gut gelingen Gefühle für eine Weile zu unterdrücken. Es ist wie einen Ball unter Wasser drücken. Am Anfang klappt das noch ganz gut und wir sind stolz, wie stark wir sind, aber dann wird der Arm vielleicht müde und irgendwann plopt der Ball mit viel mehr Energie nach oben, als wir es vielleicht erwartet hätten. Dies kann in Form einer Panikattacke, oder großen Wutausbrüchen kommen oder wenn wir uns noch ein bisschen unter Kontrolle haben mit einer bissigen Bemerkung gegenüber unseren Mitmenschen. Manch einer versucht es mit Beruhigungsmitteln, übermäßigen Sport, Alkohol, übermäßiges Shoppen, übermäßiges Essen etc. zu kompensieren. Es gibt heutzutage so viele Möglichkeiten sich abzulenken. Doch so werden wir die unwohlen Gefühle nicht wirklich los.

Es kann sogar passieren, dass wir als Selbstschutz nur noch in die Vermeidung gehen und auch soziale Kontakte, und Herausforderungen meiden und uns damit total isolieren. Hierdurch können sich soziale Ängste und Panikattacken weiter verstärken und wir können in einem Gefängnis aus Vermeidung enden. Die Flucht vor den negativen Gefühlen blockiert und isoliert uns dann nur noch.

Vielleicht erkennst du dich irgendwo wieder? Ich war vor ein paar Jahren an diesem Punkt, als finanzielle Sorge und Existenzangst mich in eine komplette Sackgasse geführt haben. Ich lag am Boden und habe nur noch geweint und hatte Angst mich überhaupt noch zu bewegen. Die Welt ging aber nicht unter. Ich war zu der Zeit schon selbst Therapeutin und habe mich mit Hilfe einer Kollegin meinen beängstigenden Gefühlen gestellt. Langsam habe ich das Vertrauen in meine Fähigkeiten wieder gewonnen.

Wenn ich jetzt beängstigende oder schmerzhafte Gefühle fühle, bleibe ich bei ihnen, aber auf eine andere Weise. Ich erspüre sie, wo sitzen sie, in meinem Körper? Ich spüren in mich hinein, ohne mich oder meine Gefühle zu verurteilen. Lasse zu, dass vielleicht auch Gedankenblitze aus der Vergangenheit erscheinen, denn mein Körper möchte mir was sagen. Oft haben unerklärliche Ängste ihren Ursprung irgendwo vergraben in der Vergangenheit. Indem ich zulasse sie zu spüren, lerne ich sie besser zu verstehen, genauso wie meine Geschichte aus der Vergangenheit, die ja Teil von mir ist. In dem ich meine Gefühle zulasse und spüre, habe ich die Möglichkeit auch im Jetzt noch das erlebte aus der Vergangenheit zu heilen. Schütte ich diese mit was auch immer zu, verpasse ich diese Chance und kann so in die Vermeidungsspirale rutschen. Das Resultat ist dann, dass ich dann von unerklärlicher Wut, Frust, Angst oder Trauer überwältigt werden kann. Dies fühlt sich dann nicht so gut an, wenn man in der Öffentlichkeit von seinen Gefühlen überschwemmt wird.

Stell ich mich dem Fühlen und Zulassen, kannst ich erfahren, dass diese Gefühle und Gedanke wirklich wie ein Fluss sein können, die durch mich durchfließen. Sie kommen und gehen. Sie kleben nicht an mir fest. Wenn wir es schaffen ihnen ein bisschen Raum zu geben, verlieren sie meistens ihre Beängstigung und können sogar ganz von selbst verschwinden. Das ist die Achtsamkeit und Akzeptanz, von der so viel gesprochen wird.

Das gleiche passiert ja auch mit dem Glücksgefühl. Auch das können wir nicht festhalten. Oder wenn wir es krampfhaft versuchen, denn rinnt es uns erst recht durch die Finger.

Akzeptanz alleine hilft allerdings nicht. Hier kann man dann auch von Hilflosigkeit in den Schock-/Einfrierzustand kommen, was bei mir zu meiner Krise geführt hat. Ich hatte Akzeptanz als hinnehmen und nicht als annehmen verstanden. Hinnehmen führt zu Hilflosigkeit, Vermeidung oder auch Angst. Annehmen hat eine andere Dynamik. Beim Annehmen gehe ich auf das Gefühl/die Emotion zu, und schaue sie mir wie eine Forscherin an. Wo sitzt das Gefühl, hat es vielleicht eine Farbe, verändert es sich mit der Zeit, ruft es eine Erinnerung hervor? Es ist mehr Sanftheit und liebe für einen Selbst gefordert.

Es ist am Anfang nicht so einfach und braucht ein bisschen Mut. Ich denke aber es zahlt sich aus.

Wenn du diesen Weg mit meiner Begleitung gehen möchtest, so kontaktiere mich gerne.